Archiv 8. Aug. 2011

Telefontarife können einem echt den Spaß verderben

Wenn man sich so umschaut bei den Telefontarifen, dann kann man schon kleinere bis größere Tobsuchtsanfälle bekommen. Bei den Telefonie-Komponenten ist es ja mittlerweile einigermaßen ok geworden, die SMS Tarife sind immer noch lächerlich bis hanebüchen - teurere Wege seine Daten in 140 Zeichen Paketen zu verschicken gibt's nicht. Aber ok, das ist ja alles nichts neues. Aber wenn man sich dann die Datentarife anschaut, dann kriegt man wirklich das Schreien.

Anlass warum ich mir den Wahnsinn angetan habe: SMS von T-Mobile, dass ich mein full-speed Volumen ausgeschöpft hätte und den Rest des Monats jetzt mit 64kbit down- und 16kbit upstream leben darf. Nachgeguckt in meinem iPhone unter Benutzung der Daten: 1.1G downstream und 430 MB upstream. Dummerweise aber in einem Zeitraum von fast einem Jahr. Wie ich da plötzlich nur die ersten 8 Tage dieses Monats schon 200 MB gebraucht haben soll, war mir ein Rätsel, bis mir eingefallen ist, dass die Provider ja praktischerweise angefangenen 100kbit Häppchen abrechnen. Damit das full-speed Volumen auch möglichst schnell leer ist. Danke, Push-Notifikationen.

Guckt man bei den drei Großen (T-Mobile, Vodafone und O2), dann sieht man da erstmal hübsche Übersichten mit Preisen. Und natürlich flat. Heute ist ja alles flat. Aber flach war da wohl nur das Hirn des Marketingfuzzis, der sich den Mist einfallen hat lassen. Zwar ist dort tatsächlich das Volumen unbegrenzt, aber natürlich steht nur im Kleingedruckten, ab welchem Volumen man auf lächerliche 64kbit reduziert wird - und das ist nur der Download, der Upload wird dann gleich mit der Reduktion auf 16kbit fast schon unbrauchbar gemacht.

Zur Ehrenrettung von O2: wenn man auf die richtigen Wege klickt, kriegt man da die Drosselungsstufe relativ übersichtlich gezeigt. Also nicht etwa unter den Handytarifen den mit Smartphone Angabe, sondern über Internet und dann da Surfen mit Handy. Warum das eine Übersichtlich ist und das andere nicht wissen wohl nur die Webdesigner. Oder die Preisverstecker. Möglicherweise hat man auch bei den anderen Anbietern eine Verlegenheitsseite wo man eine vernünftige Übersicht bekommt, aber mir war dann irgendwann die Laune nicht mehr nach weiter suchen.

Das Kleingedruckte ist übrigens nur bei der Telekom mit Nümmerchen am Tarif referenziert - und unten schon ausgeklappt angezeigt. Bei O2 und Vodafone muss man sich aber erstmal denken, dass unter "weitere rechtliche Hinweise" oder "weitere Hinweise" sowas verstecken könnte, ohne dass man da drauf hingewiesen würde. Wozu auch, ist ja unwesentlich, ist ja alles flat. Oh, und natürlich blass-graue Schrift und nur 10 Punkte hoch, soll ja nicht zu einfach zu lesen sein. Für mich grenzt das schon an Beschiss.

Abgesehen vom versteckten anbringen: die normal bezahlbaren Tarife (sorry, aber Tarife über 50 Euro im Monat sind einfach nur eine Frechheit aber kein Angebot) haben lächerliche 300 MB Volumen bis zur Runterschaltung. Oh, Sorry, Vodafone hat nur 200 MB ...

Dazu kommen dann die lustigen Vorstellungen über Vertragsbindungen. Ja, ich kann die Bindung von 2 Jahren durchaus nachvollziehen, wenn man einen Vertrag mit Gerät nimmt - schließlich muss das Gerät darüber ja mitfinanziert werden und ich erwarte keine Geschenke. Aber die sich dann locker mal eben anschließende Verlängerung um ein Jahr, wenn man nicht mindestens 3 Monate vor Ablauf der Zwangsdauer kündigt, das ist schon echt dreist.

Besonders wenn man sich dann die Billigmarken der großen Anbieter anschaut: Base, Fonic, Congstar. Komischerweise kann man bei denen direkt auf der Tarifübersicht sehen, welche Varianten an Runterschaltung es gibt. Ausserdem gibt es mehrere Varianten. Und es gibt deutlich übersichtlichere Preise. Nur komisch - die laufen über die Netze der Mütter. Muss ja auch nicht erwähnen, dass komischerweise die Billigmarken moderatere Vertragsbindungen haben, oder? Gut sind die Billigmarken natürlich auch nicht - dort wird nichtmal mehr behauptet, man würde Service bekommen (den die großen aber auch nicht wirklich liefern - das sind eher Verzweifelungstaten als Service).

Ist doch seltsam, dass die gleiche Leistung zu drastisch unterschiedlichen Preisen angeboten werden kann, und die Billigmarke trotzdem Gewinn macht. Könnte das damit zu tun haben, dass die Mutter-Marke einfach Sachen zu Mondscheinpreisen verkauft? Oh, und es ist natürlich völliger Zufall, dass alle fast die gleichen Preise haben in ihrem jeweiligen Segment. Ich mein, das ist doch ein toll regulierter Markt, da gibt's doch bestimmt keine Absprachen oder sowas. Wie kann man nur überhaupt den Gedanken aufwerfen ...

Der Feind des mobilen Internet, der Klotz am Bein der Entwicklung dieses Sektors? Die absurden Vorstellungen der Mobilfunkanbieter. Es wird dringend Zeit für alternative Funktechniken, die von Anbietern ausserhalb dieses inzestuösen Haufens von Beutelschneidern geliefert werden können. Aber darauf zu hoffen ist wohl auch absurd, da wird die Telekommunikationslobby schon für sorgen, dass da nicht versehentlich tatsächlich mal der Markt geöffnet wird.

PS: ja, ich weiss, dass Base nicht die Billigmarke von Vodafone sondern von E+ ist. Bzw. das E+ Netz nutzt. Hat Vodafone überhaupt sowas wie eine Billigmarke?

Map Tunneling Tool. Cool - man kann in einer Karte eingeben wo man ist und auf der anderen wird dann der Gegenpol auf der Erde angezeigt. Wir liegen damit ziemlich im Südpazifik, südöstlich von Neuseeland. Spanien hats gut, die kommen direkt in Neuseeland raus.

Sankra Software: Disable OS X Lion Resume per application. Weil das Feature von Apple etwas "aggressiv" implementiert ist (es wird auch für Apps aktiviert, die nicht explizit sagen "mach das an, ich kann das"), ist es manchmal echt nervig - manche Apps machen dann sowohl die eigene "neuer Programmstart"-Aktion als auch danach die Aktion vom System - z.B. manche Editoren öffnen zwei Fenster auf die gleiche Datei, wenn sowohl der Editor als auch das OSX sagen "Wiederherstellung Fenster". Von daher nicht unpraktisch wenn man das pro Anwendung ausschalten kann, das Feature. Wobei das dann natürlich spätestens bei Updates der Anwendung dann irgendwann vergessen wird und man sich wundert warum jetzt plötzlich die Fenster nicht mehr automatisch aufgehen, weil die Anwendung von der eigenen Steuerung auf die Systemsteuerung gewechselt hat. Aber hey, Software ist das letzte verbleibende Abenteuer ...

Modula-3 Resource Page. Weiter bei den Nischensprachen - Modula-3 hat mich ja immer fasziniert, weil es eine pragmatische und praktikable Erweiterung der Wirthschen Sprachenwelt war und dabei eine Menge interessanter Sprachkonstrukte in ein bekanntes imperatives Sprachsystem integrierte. Und da geht die Entwicklung bis heute weiter, der Download hat sogar Binärpakete für Darwin (den Unix-Unterbau von OSX), allerdings derzeit nur 32bit (und ich denke mal keine Bridge zu Objective-C und damit zu den Cocoa APIs).

Magpie Guide: Welcome. Wo wir doch gerade bei Nischensprachen sind: Magpie ist mal wieder eine Sprache für die JVM. Diese hier sieht so ein bischen ähnlich aus wie eine Mischung aus Scala und Ruby, aber die Konzepte sind schon deutlich anders. Besonders nett ist Multidispatch - generische Funktionen, die abhängig von all ihren Parametern und deren Typen die passende Version wählen. Erinnert so ein bischen an CLOS in dem Aspekt. Ausserdem gibt es volle Closures und Funktionen und Blöcke sind first-class Objekte im System. Ausserdem gibt es mit Quotations einen Ansatz für Metaprogramming, wobei ich da allerdings immer noch den Lisp-Weg für ungeschlagen halte (einfach weil bei Lisp die Strukturen des Parsetrees 1:1 auf die eigentliche Syntax und die Listen als interne Repräsentation passt, während bei Sprachen mit Algol-ähnlicher Syntax das ganze wesentlich indirekter ist). Was ich persönlich auch angenehm finde: Magpie ist sehr textuell orientiert, nicht so stark Sonderzeichenlastig. Liest sich für mich einfach angenehmer.